Auf ein Neues (Zweitausendneunzehn)

Letztes Jahr liefen alle Sachen weiter, teilweise im Schneckentempo, und alles wurde klarer: RAW, Mauerpark, Yaam. Bloss so richtig los gings noch nirgends.

Was aber so richtig losging war die kleine Baustelle in Hohenschönhausen. Jetzt heute ist Einzug, hier sind noch mal einige Fotos vom Projekt (Planung machte meine Kollegin Franziska Bosse) : Zuerst der Beginn – Umbau der Öffnungen etc…Beginn-Hofhaus-Berlin-2018

dann wichtige Innenarbeiten: Heizung, Leitungen, neues DachtragwerkBaustelle-Hofhaus-Berlin-2018

dann weiter mit dem Innenausbau: Fenster, Badezimmer, Trennwände …Hofhaus-Berlin-Innenausbau2018

und in diesem Jahr das Fertigmachen: Farben, Tischler – alte tolle Beschläge wieder fit machen, Dielen schleifen …Hofhaus-Berlin-Finish-Innenausbau2019

… Holzdetails wieder zum Vorschein bringen …Hofhaus-Berlin-Finish-Innenausbau2019-2

und mit den Oberflächen geschliffener Beton, historische Holzteile ein tolles Ambiente schaffen…Hofhaus-Berlin-Finish-Innenausbau2019-3

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Neues und Bekanntes 2018

Mauerpark – Eingangssituation. Gute Neuigkeiten, GrünBerlin sichert die Zukunft. Ein externes Büro übernimmt die Koordination zwischen Planungs- und Nutzerinteressen: Raumlabor. In der Runde sitzen die Freunde des Mauerparks, der Mauerparkverein und die Planer. Wir arbeiten das jetzt unter der Schirmherrschaft von GrünBerlin aus. Die beiden erfahrenen Gastrobetriebe Mauersegler und Schönwetter werden langfristige Mietverträge erhalten und in die Planungen für die Eingangssituation einbezogen, und ich bin als beratender Architekt und Bearbeiter der Bauanträge der Betriebe mit im Prozess.

RAW – städtebaulicher Prozess. Urban Catalyst moderiert, und ich bin als Projektpartner im Soziokulturellen L am Prozess beteiligt, bin einer der NutzerInnenvertreter für den Städtebau. Ich hoffe sehr, das sich viel von der jetzigen Qualität erhält. Eine bessere Inspiration für Kreative gibts in Berlin nicht und ich setze mich dafür ein, diese Eigenart zu erhalten.

Yaam

Auch hier geht was weiter, es gibt ein Versprechen auf längere Mietverträge, und behutsam kann entwickelt werden. Ich berate den Verein grad in Sachen Brandschutz. Gerne mit dem Ergebnis das alles sicher ist aber alles so charmant zusammengewürfelt aussieht wie vor der Planung. (Minimalinvasiv ist ein tolles Wort, meint außer dem respekt für das Vorhandene daß es nicht so teuer ist und  sehr schlau gelöst wird.) Hintergedanke ist auch: Alles was nicht zu perfekt ist, ist eigentlich perfekt, denn es lässt Platz für Ideen, für Neuankömmlinge, für Freiheit.

Und sonst

… natürlich das Reelle: Es gibt ein kleines Bauvorhaben in Hohenschönhausen, wo ein schnuckeliges wunderschönes Paradies in einem Hofhaus entsteht, dazu bald Bilder….

 

Frühling und neue und alte Projekte

Habe jetzt eine Übersicht einiger ausgewählter Projekte auf diesen Blog gestellt: Siehe den Schalter „Architektur, Konstruktion und Planung“ oben. Grad wollen wir eine eigentlich erhaltenswerte Mauer abreißen: die Statiker lassen sich nicht überzeugen, das diese Mauer  dahinten, unter dem Bewuchs, selbst stärksten Stürmen standhielt. Sie sagen irgendwann liegt mal einer drunter. Und das wollen wir ja schließlich auch nicht.Abriss-bahnwaggon

Kalt

Noch ist der Winter nicht vorbei. Aber in Lichtenberg wird unser Urban-Gardening and Hostel Projekt jetzt bald begonnen: die Baugenehmigung ist da.

Naja, wir mussten doch den Kopfbau anfügen, obwohl ich die reine Nutzungsänderung (wie auf dem Bild weiter unten) vorgezogen hätte, aber witzigerweise ist es von den Baumassen her genauso wie ich es bei meinem ersten Besuch gesehen hatte, also so:

entwurf-umplanungokt30-model-2
Umbau Garagenhof

Außerdem ist die Umsetzung der Betriebssicherheit in den Betrieben im Mauerpark bald erreicht. Da hat unser 2RaumTeam gut gearbeitet und damit ist auch wieder ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Nutzung im vorderen Bereich getan. Ich seh das so: Damit wir hier nicht nur den großen Investorenzirkus haben, müssen wir an besonderen Plätzen wie dem Mauerpark unbedingt zusehen, das die ansässigen engagierten Betreiber erhalten bleiben, denn die sorgen schon lange für das Richtige. Aber um zu überzeugen, wollen wir uns auch Gedanken über den richtigen Rahmen und die richtige Form machen.

Visualisierung: wenn ich etwas schön zeichnen kann, ist das schon mal der erste Schritt zum Überzeugen.

Architektur

Nu ist der herbst da, und alle sind aktiv. Stadtplanungsamt Lichtenberg will hier eigentlich die Baulinie auf ganzer Länge einhalten. Dann wäre der Garten an den Seiten futsch. Zum Glück haben wir Abstandflächen zum Nachbarn entdecken können, die unser Konzept (Erhalt der Garagen) nicht so schlimm verändern. D.h. der nachbar hatte eine Baugenehmigung für Fenster in der Hauswand auf der Grenze, die rechtens sind. Jetzt soll man halt nur vorne neu bauen.

Entwurf-Model-plusgarten(nord) Zum Termin im Bauamt Lichtenberg: Hab mal zur Erläuterung den Render mit einer Collage verschönert. Bischen wild, aber man versteht doch was gemeint ist.

Halle 1990

In dem Sommer bin ich mit Sabine in meinem orangen Kadett Kombi in die neuen Bundesländer gefahren. Erste längere Pause war in Halle Neustadt. Da gabs einige Straßenzüge mit ziemlich abgewrackten Häusern, da war dann das erstemal, daß ich es sah: Alles war noch da. Ab Gründerzeit und Industrialisierung, Arbeiterwohnviertel und seitdem nichts wesentliches getan. Inzwischen waren hier, wie ich es dann später noch überall wiederfand, zerbrochene Fensterscheiben, bröckelnde Fassaden, einbrechende Geschoßdecken, Birken auf den Dächern, gelegentlich noch ein bewohntes Haus und alles grauschwarz. Alles. Nach 100 Jahren Kohleheizung, nach Blütezeit, Weltkriegen, Hitlerzeit, DDR, und jetzt war alles noch da. Das hatte ich im Westen, wo genug Geld war um alles zu bedecken, verschönern, zu bearbeiten und gestalten, restaurieren und renovieren, noch nie gesehen. Das hab ich nie vergessen: es stimmte also alles. Die Geschichte war da, in unerwarteter Präsenz, und ich war kein Westdeutscher mehr. Ich hatte was ganz wertvolles gefunden, und bin seitdem großer Gegner des Alles Gestaltenwollens, denn: Wenn es nichts Echtes mehr zu entdecken gibt, bleibt nur noch das Misstrauen, ob nicht alles nur Schöner Schein ist. Später hab ich dann in Dresden Neustadt in solchen Häusern gewohnt, und jetzt gibts auf dem RAW-Gelände in Berlin Friedrichshain auch noch was zu bewahren. Auch hier ist alles noch da: denn alle Zerstörungen, Erhaltungen, Erneuerungen und Spuren finden gleichberechtigt nebeneinander sich in Pflasterresten, Schienenresten, Mauerresten, und mehr. Hier ist jetzt sogar noch ein Vierteljahrhundert Nachwendegeschichte dazugekommen. Mehr authentische Geschichte von über 100 Jahren Dauer kann man umsonst im Berliner Osten nicht bekommen.

Da gibt es also verschiedene Positionen zu überwinden, wenn man da etwas erhalten will. Investierer mit Ertragserwartungen. Denkmalschützer mit gesetzlichem Rahmen was erhaltenswert ist und was nicht. Ordnungspolitiker. Planer mit umgestaltendem, eingreifendem Ansatz. Selbstverwirklicher.